„Mit der Sprache beginnt alles …,“

Geschrieben von Sylvia Takacs Veröffentlicht: .

begrüßte Kai Schneider, Vorstand des vij, die Gäste am Tag der offenen Tür des Zentrums für Integration. Es wurde ein fröhliches Fest der Kulturen, Sprachkursteilnehmer/innen aus vielen Nationen brachten ihre typischen Speisen und ihre Musik mit. Familie und Freunde konnten sich über das vielfältige Programm des ZI informieren und neue Kontakt knüpfen, bei einer Podiumsrunde erfuhren die Zuhörer mehr zu den Integrationsbemühungen der Stadt.

Das ZI bietet nicht nur Sprachkurse als Präsenz- oder Onlinekurse an. Mit der Migrationsberatung, der Integrationsbegleitung, dem CIub International und dem Projekt Hygia (Anpassungsqualifizierungen für Gesundheits-und Krankenpfleger) entstand ein Raum für ein lebendiges Miteinander, für Lernen und ehrenamtliches Engagement. „Wir haben ein ansprechendes Zentrum eingerichtet, in dem sich alle Teilnehmenden wohlfühlen“, sagte Carola Piretzi, Leiterin des Zentrums zu Beginn der Podiumsdiskussion. Gelernt wird in der Willy-Brandt-Straße 50, mehrere große freundliche Klassenräume empfangen die „Schüler“, ein Aufenthaltsraum mit komfortabler Kaffeemaschine lädt in den Pausen zum gemütlichen Austausch ein. Technisch modern ausgestattet, und sehr professionell mit kompetenten Dozenten geführt, entstand für alle Beteiligten ein atmosphärisch zugewandtes und harmonisches Lernumfeld. So absolvierten am Ende des Semesters viele Sprachkursteilnehmer erfolgreich ihre Prüfungen und starten mit ihren Zertifikaten in eine neue Zukunft.

Dass der vij und das ZI dabei ein wichtiger Partner der Stadt Stuttgart ist, betonte Claudia Grimaldi von der städtischen Integrationsabteilung auf dem Podium. Mit mehr als 40 Deutschkursen und zehn Mama lernt Deutsch-Kursen begegnet Stuttgart der hohen Nachfrage, erwartet wird im Laufe des Jahres eine weitere Steigerung des Angebotes, etwa bei den spezielle Kursen für Senioren, es sind auch mehr Deutschkurse für Flüchtlinge in Planung. Ebenso will die Stadtverwaltung sich interkulturell öffnen und vermehrt Mitarbeitende mit Migrationshintergrund einstellen. Viele dieser Migranten besuchten am Anfang einen Sprachkurs, wie er beim vij angeboten wird. Dass sich die Stadt selbstverständlich neutral verhält, bekräftigte Herr Wörz vom Sozialamt: „Wir empfehlen alle Träger, die Berechtigten erhalten von uns eine Liste, sie wählen selber aus.“ Dass sich die Teilnehmer beim vij / ZI gut aufgehoben fühlen, zeigt auch der hohe Andrang am kalten Büfett. Familien mit ihren Kindern fanden den Weg, brachten ihre heimatlichen Spezialitäten mit, ein vielfältiges Stimmengewirr und fröhliches Lachen erfüllte das Zentrum. In einem Raum wurde getanzt, traditionelle Kreistänze lockten zum Mitmachen, Frauen mit ihren farbenfrohen Gewändern verstärkten den Eindruck, dass hier die ganze Welt zu Gast ist. Dass das für ganz Stuttgart gilt, machen die Zahlen des Welcomecenters der Stadt deutlich. Die Leiterin des Centers, Susanne Hofmann, verwies auf 2500 Beratungskontakte seit Eröffnung im Oktober 2014. „Wir möchten, dass Sie hier bleiben, dass Sie sich integrieren und ich lade Sie herzlich ein, uns zu besuchen und in Anspruch zu nehmen,“ gab sie den Zuhörerinnen und Hörern mit auf den Weg. Das Welcomecenter versteht sich als Anlaufstelle für alle Neubürger und Zugewanderte und ist über Telefon oder per mail erreichbar, man kann auch direkt persönlich vorbei schauen. Helga Ledig, die beim vij / ZI für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer verantwortlich ist, ist 14tägig auch im Welcomecenter beratend tätig.

Ein begeistertes und begeisterndes Plädoyer für die Integrationsarbeit in Deutschland kam von Dozent im ZI, Mohamed Al-Kadhimi. Er kam aus Bagdad mit einem Bachelor in der Tasche, machte in Deutschland den Master in Germanistik und unterrichtet nun bei verschiedenen Sprachschulen. „Es ist wichtig, offen zu sein für die anderen Kulturen und die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg“ fasst er seine eigenen Erfahrungen zusammen. „Wir sind alle Brüder, alle Menschen und müssen lernen, miteinander umzugehen“ appelliert er an die Gäste im ZI und spricht davon, wie dankbar er Deutschland ist, dass er diesen Weg gehen konnte. Sich weiter zu integrieren ist auch das Ziel von Geork Barsegian. Als Schuhmacher in Melissa, Georgien, ausgebildet, bekam er bei einem Orthopädiefachgeschäft die Chance zu arbeiten. Da wurde der Erwerb der deutschen Sprache erst zurückgestellt, denn Geld verdienen war überlebensnotwendig. Als er arbeitslos wurde, nutzte er die Zeit, im ZI Deutsch zu lernen. Sein Ziel ist es, die Meisterschule für Schuhmacher zu besuchen. Barsegian spricht mehrere Sprachen, nun kommt Deutsch dazu, „soviel Sprachen man spricht, soviel Mensch ist man...“ habe ihn sein Großvater gelehrt, das habe er sich zu Eigen gemacht. Ihm bereitet es Freude, neue Kulturen kennen zu lernen, Menschen zu akzeptieren, wie sie sind und dabei doch die eigene Identität nicht zu verlieren. Auch Al-Kadhimi gibt den Anwesenden mit auf den Weg: „Vergessen Sie nicht ihre Identität, lassen Sie ihre Herkunft nicht das Problem sein, sondern die Chance, weiter zu gehen.“ Dass diese Chancen nun auch Männer nutzen können, freut Nana Baratashvili, die Kurskoordinatorin für alle Deutschkurse im ZI. Sie ist seit 1997 dabei und weiß noch, dass früher nur Frauen zu den Integrationskursen kamen. Seit das ZI offizielles Prüfungszentrum für TELC ist, wäre der Zulauf enorm gestiegen. Das freut auch Claudia Grimaldi, die dazu auffordert, an der Gesellschaft teilzunehmen, davon zu partizipieren und sich glücklich zu fühlen, sich zu beheimaten, dort wo man wohnt. Das sei die beste Möglichkeit, Teil einer Gemeinschaft zu werden.