Ministerialdirektor Guido Rebstock würdigt Engagement des Vereins für Internationale Jugendarbeit

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In seiner Eröffnungsrede beim Fachkräftetag des vij im Rahmen der Fachkräftewoche des IQ-Netzwerkes sagte Ministerialdirektor Guido Rebstock zum Auftakt des vij-Programms „100Plus - Pflegefachkräfte für KMU-Einrichtungen der Altenhilfe im regionalen Raum“: „Das Finanz- und Wirtschaftsministerium fördert das gemeinsame Projekt „100Plus“ des Vereins für internationale Jugendarbeit und des Welcome Centers für Sozialwirtschaft gerne mit 100.000 Euro, da es in vielerlei Hinsicht vorbildlich ist. Oberstes Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen muss es sein, ausreichend Fachkräfte für die Altenpflege zu gewinnen, um eine gute Versorgung der älteren Menschen sicherzustellen. Mit dem Projekt "100Plus" können gerade kleinere Einrichtungen der Altenpflege unterstützt werden, um internationale Fachkräfte aus der EU zu gewinnen.“

Kai Schneider, Vorstand beim vij, bedankte sich bei der Begrüßung in den neuen Schulungsräumen des vij für die sehr konstruktive Zusammenarbeit mit Wirtschaftsministerium und Welcome Center für Sozialwirtschaft bei diesem Pilotprojekt.

Die Vorgehensweise bei dieser Maßnahme könnte eine „Blaupause“ für die Fachkräfteanwerbung sein, so Thorsten Kuschmann, Fachbereichsleiter der Abteilung FairConnect im vij. Es setze auf Netzwerkpartnerschaft zwischen Arbeitgebern in Deutschland und Bewerbern aus dem Ausland, gesteuert durch das integrierte Handlungskonzept „100Plus“. Die Auswahl der Bewerber, Deutschkurse und interkulturelle Trainings bereits im Herkunftsland, Praktika und Hospitationen in Deutschland, soziale und betriebliche Integrationsmaßnahmen, Hilfe beim Anerkennungsverfahren, Relocationservices und transparente Kostenkontrolle im gesamten Verfahren sind ein Gewinn für beide Seiten und sichern eine nachhaltige Fachkräftegewinnung für Deutschland.

Mit einer weiteren Maßnahme, so Kai Schneider, werde der Verein in 2016 gemeinsam mit der DAA (Deutsche Angestellten-Akademie) sowohl dem Fachkräftemangel als auch der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa begegnen.

MobiPro – Zukunft für die Jugend Europas

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit im europäischen Ausland ist beunruhigend: unter den 14-27 Jährigen in Spanien 53,5%, Griechenland 49,8%, Italien 43,9%, Portugal 34,5%.
Dem steht ein Fachkräftemangel in Deutschland gegenüber, der allein im Gesundheits- und Pflegebereich sich bis 2030 auf 300.000 Pflegekräfte steigert, so die Prognosen des Wirtschaftsministeriums. Laut Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind 25 Prozent der Firmen in Deutschland vom Fachkräftemangel betroffen. Aufgrund des demografischen Wandels geht der Anteil der erwerbstätigen Menschen bis 2050 auf etwa 27 Mio. zurück. Zwei Gründe, die dafür sprechen, den jungen Menschen in Europa in Deutschland eine Chance auf Ausbildung und Arbeit zu geben. Das Programm Mobi Pro ist dafür bestens geeignet. Die Anwerbeprogramme für Auszubildende werden durch den vij und seine Auslandsbüros in Kooperation mit DAA vom Bewerbungsverfahren bis zum Beginn der Ausbildung durchgeführt.

  • Zusammen mit dem Unternehmen Organisation der Auswahl und Überprüfung der Ausbildungseignung.
  • Organisation der Deutsch-Qualifizierung im Herkunftsland (Deutsch Niveau B1).
  • Organisation des Praktikumsaufenthaltes im Unternehmen und Begleitung dieses Praktikum mit ausgewählten und abgestimmten Maßnahmen.
  • Während der Ausbildung werden die Auszubildenden mit fachlichen und sozialpädagogischen Maßnahmen unterstützt. Zum einen wir dabei die Erreichung des Ausbildungszieles und die betriebliche Integration in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben verfolgt. Zum anderen bieten wir einen Rahmen für ein Gelingen der sozialen und gesellschaftlichen Integration der jungen Europäerinnen und Europäer.
  • Die Unterbringung in Stuttgart erfolgt im ersten Jahr in dem vereinseigenen Jugendwohnheim.

Folgende Vereinbarungen mit DAA und weiteren Kooperationspartner wurden bereits getroffen:

  • Projekt in Stuttgart mit der DAA: 22 TN aus Portugal, 11 TN aus Griechenland für den HoGa-Bereich (Koch, Hotelfachmann, Restaurantfachmann), Elektrohandwerk und Fachinformatik
  • Projekt in Freiburg mit der DAA: 15 TN mit Berufswünschen im HoGa-Bereich (Koch, Hotelfachmann, Restaurantfachmann) aus Spanien geplant und 8 TN für den Bereich Altenpflege aus Rumänien.
  • Projekt in Offenburg mit der DAA: 15 TN aus Spanien und 8 TN aus Rumänien im HoGa-Bereich
  • Projekt in Pforzheim mit QPrints: 11 TN im HoGa-Bereich aus Spanien
  • Projekt in Köln mit Berufsförderwerk und Talentbrücke GmbH: 22 TN aus Griechenland, Berufsgruppe Bau, HOGA und kaufmännische Berufe

In einer Diskussionsrunde beim Fachkräftetag des vij, geleitet von Carola Piretzi, Fachbereichsleiterin des Zentrums für Integration, kamen die verschiedenen Akteure im Anerkennungsverfahren zu Wort.

Der besondere Bedarf von Kräften im Gesundheits- und Pflegebereich wird durch das Regierungspräsidium Stuttgart bestätigt. Doch vor der Einstellung steht ein Anerkennungsverfahren. Andreas Fizel, Mitarbeiter im RP Stuttgart, Abteilung Landesgesundheitsamt, begründet in dem wesentlichen Unterschied der Ausbildung im In- und Ausland, z.B. im Krankenpflegebereich, den Bedarf an Nachqualifizierungsmaßnahmen. Nach spätestens sechs Monaten Lehrgang und Praktikum ist ein Anerkennungsverfahren beendet. Die Bearbeitungszeit beträgt im Moment allerdings drei bis sechs Monate. Erschwerend käme jetzt dazu, dass durch die Zuständigkeitsveränderung und Zentralisierung der Anerkennungsberatung von vier Regierungspräsidien auf das RP in Stuttgart nun nur noch zwei Fachkräfte die Anträge bearbeiten. Jetzt werde eine davon für die Bearbeitung der Asylanträge abgezogen, ob Ersatz komme, sei noch offen. Somit sei mit weiteren Verzögerungen zu rechnen.

Die AWO Stuttgart, vertreten durch Frau Rudel, erlebt in diesem Jahr eine Steigerung von Anfragen. Waren es im Jahr 2014 von 1700 Anfragen zur Anerkennungsberatung, sind es bis September 2015 bereits 2000, dazu kommt seit diesem Jahr auch eine Qualifizierungsberatung, davon wurden bereits 60 Verfahren durchgeführt.

Mit den Qualifizierungsprogrammen „Hygia“ beim vij und „vide terra“ beim Diakonischen Werk werden Gesundheits- und Altenpfleger auf die Arbeit in Deutschland vorbereitet. Oft haben Fachkräfte im Ausland einen Abschluss erworben, der in Deutschland nicht anerkannt wird, erklärt Faten Romdhani vom vij. Diese Fachkräfte werden in deutschen Einrichtungen als Hilfskräfte eingesetzt, obwohl sie in ihrer Heimat eine Fachberufsschule besucht haben. „Hygia“ sorgt für die kostenlose Anerkennungsqualifizierung als examinierte Fachkraft im Gesundheitsbereich durch ein integratives Programm mit Deutschkursen und Praxisphasen in Krankenhäusern.

Dr. Kornelius Knapp vom Diakonischen Werk Württemberg, Leiter des Welcome Centers Sozialwirtschaft, sieht in dem Prozess von der Bedarfsanalyse unter dem Blickwinkel der KMU (Klein- und mittelständische Unternehmen) und deren Fachkräftebedarf auf der einen Seite und dem Einarbeitungs- und Integrationsverfahren auf der anderen Seite den besten Weg, den Herausforderungen im Sozial- und Pflegebereich zu begegnen. Das DW sei aktiv geworden, weil es sich schon immer der Aufgabe gestellt habe, „Handlungsfelder frühzeitig zu beobachten und rechtzeitig zu reagieren“. Das Thema demografischer Wandel sei evident. Die Altersfluktuation in den Pflegeeinrichtungen sein enorm hoch und das bei gleichzeitigem aktuellem 25prozentigem Rückgang der Schülerzahlen, der Handlungsbedarf sei offensichtlich.

Thorsten Kuschmann stellt in diesem Zusammenhang klar: „Wir müssen nachhaltig denken. Deutschland ist nicht das einzige Land, das Fachkräfte sucht. Großbritannien ist z.B. für portugiesische Fachkräfte äußerst attraktiv, die Arabischen Emirate zahlen gutes Geld, die Stereotypen über Deutschland im Ausland sind hinderlich“. Deutschland müsse mehr bieten und es müsse sich alles in einem legalen und sicheren Rahmen, mit Blick auf die Bedürfnisse des Menschen bewegen, wenn wir die Menschen dauerhaft hier integrieren wollen. „Faire Arbeitsmigration fängt bei der Anwerbung an und bezieht den gesamten Prozess bis zur erfolgreichen betrieblichen und sozialen Integration mit ein. Mit einem klaren Ethikkodex bieten wir Transparenz und Sicherheit und formulieren so Bedingungen für faire und nachhaltige qualifizierte Arbeitsmigration“.


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Der Verein für Internationale Jugendarbeit (vij) baut Brücken zwischen Menschen, Ländern und Kulturen. Wir beraten, begleiten und betreuen Menschen im Mobilitäts- und Migrationsprozess. Damit schaffen wir Bedingungen für eine menschenwürdige Zukunft, die getragen wird von den Werten Fairness und Toleranz – in Europa und weltweit. Unsere 135jährige Geschichte als diakonischer Verein verpflichtet uns, eine besondere Verantwortung für die Belange von benachteiligten Frauen und Jugendlichen zu übernehmen.

Unsere Dienste reichen im Bereich Transnationale Arbeitsmobilität von der gezielten Ansprache und Ausbildung in den Herkunftsländern bis zur sicheren Einreise und kompetenten Unterstützung bei der Integration in Deutschland. Im Zentrum für Integration Stuttgart fördern wir durch Maßnahmen sozialer und kultureller Teilhabe den Spracherwerb ebenso wie fachliche Qualifikation von Pflegekräften durch das Projekt Hygia. Darüber hinaus bieten wir professionelle Beratung und Krisenintervention im Fraueninformationszentrum, und sorgen in den Geschäftsbereich FairCare und FairConnect und im Netzwerk Faire Arbeitsmigration für legale und faire Arbeitsbedingungen. Wir bieten Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer. Über sozialpädagogische Maßnahmen und Freizeitaktivitäten im Club International und im JugendWohnen schaffen wir Bedingungen für interkulturelle Begegnungen und länderübergreifende Freundschaften. Mit der Trägerschaft für die Bahnhofsmissionen in Heilbronn, Friedrichshafen, Tübingen und Stuttgart bieten wir Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Hilfe im Reiseverkehr und kümmern uns um die Menschen, die am Bahnhof stranden.

Mit unseren Auslandsbüros in Griechenland, Rumänien, Portugal und Spanien und den Aktivtäten des German YWCA und dessen internationalen Aktivitäten und Kontakten sind wir europa- und weltweit aktiv und fördern internationale Begegnungen. Wir leben Vielfalt. Wir begleiten Mobilität. Wir gestalten die Zukunft Europas mit.

Kurzbeschreibung des Projekts „100Plus“:

„Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg fördert das »Projekt 100Plus – Pflegekräfte für KMU-Einrichtungen der Altenhilfe im regionalen Raum« aus Landesmitteln.“ Das Projekt „100Plus“ hat zum Ziel klein- und mittelständische Unternehmen der Altenpflege im ländlichen Raum bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte aus der EU zu unterstützen. Hierbei wird auf Seiten der Bewerber sprachliche und fachliche Vorbereitung im Herkunftsland durchgeführt, so dass die Fachkräfte mit Deutsch B2 und voller Anerkennung nach Deutschland kommen. Auf Seiten der Arbeitgeber werden regionale Netzwerke gebildet, um Synergien zu realisieren. Durch den Kooperationspartner Welcome Center für Sozialwirtschaft werden Trainings zur Vorbereitung auf die Arbeit mit einer internationalen Fachkraft umgesetzt.

Die Deutsche Angestellten-Akademie ist eine gemeinnützige GmbH, die seit über 60 Jahren bundesweit in der beruflichen Bildung für Jugendliche und Erwachsene tätig ist. In 240 DAA-Kundenzentren besuchen jährlich rund 120.000 Teilnehmende etwa 6.000 Seminare und Kurse. Insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung begleitet die DAA individuell ihre Teilnehmer/-innen bei der nachhaltigen beruflichen Integration und wirkt damit bei der Erhöhung ihrer sozialen sowie beruflichen Chancen erheblich mit.

Die fortwährende Entwicklung attraktiver und vielfältiger Bildungsveranstaltungen in Verbindung mir ihrer bundesweiten Präsenz belegen die engagierte, kundenorientierte und qualitativ hochwertige Bildungsarbeit. In Stuttgart ist die Deutsche Angestellten-Akademie seit über 40 Jahren vertreten. Aus der Erkenntnis, dass der beruflichen Bildung eine entscheidende Rolle bei der Zuteilung sozialer und beruflicher Chancen zukommt, konzipieren wir kontinuierlich attraktive Angebote und führen Bildungsveranstaltungen durch. Unsere bundesweite Präsenz und unser breitgefächertes Angebot sind Ausweis unserer engagierten, kundenorientierten und qualitativ hochwertigen Bildungsarbeit.
Für uns wird durch berufliche Bildung eine unverzichtbare Chance entwickelt für diejenigen, die

  • individuelle Handlungsspielräume erweitern wollen,
  • ihren beruflichen und sozialen Aufstieg planen,
  • Qualifikationsdefizite beheben möchten oder
  • ihre Vermittlungsaussichten am Arbeitsmarkt verbessern wollen.

Gemeinsam mit 10 weiteren regional organisierten Welcome Centern in Baden-Württemberg heißt das Welcome Center Sozialwirtschaft internationale Fachkräfte willkommen, informiert, berät und begleitet. Ebenso unterstützen wir Einrichtungen bei Fragen rund um das Thema Gewinnung und Bindung internationaler Fachkräfte. Das Thema Fachkräftebedarf in sozialen Einrichtungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Einrichtungen der Sozialwirtschaft beklagen bereits heute einen Mangel an Fachkräften. Personelle Engpässe haben Einfluss auf Arbeitsbedingungen und damit auf die Qualität sozialer Dienstleistungen. Das Welcome Center Sozialwirtschaft versteht sich sowohl regional als auch inhaltlich als eine übergeordnete Stelle für die Sozialwirtschaft und ergänzt die Angebote der anderen Welcome Center in Baden-Württemberg, die derzeit ebenfalls aufgebaut werden und branchenübergreifend agieren. Dabei fungiert das Welcome Center Sozialwirtschaft als Lotse für Einrichtungen und Fachkräfte im Gesamtprozess, so dass vorhandene Beratungsangebote und Dienstleister eingebunden werden. Einrichtungen und internationale Fachkräfte erhalten individuelle und bedarfsorientierte Unterstützung.


Links zu den Themen:
www.vij-stuttgart.de/
www.daa-stuttgart.de
https://mfw.baden-wuerttemberg.de/de/startseite/
http://welcome-center-sozialwirtschaft-bw.de

Stuttgart, 30. Oktober 2015
Ansprechpartner: Sylvia Takacs, vij Kommunikation
Durchwahl: +49 711 23941-38
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