Menschenrecht im Fokus von Menschenhandel, Arbeitsausbeutung und Prostitution

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„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, das war das Motto der Veranstaltung, die im Lichthof des Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe, stattfand. Nach einer Begrüßung von Jürgen Rollin, Vorstand des Diakonischen Werkes Baden, stellten sich die evangelischen Fachberatungsstellen vor: für Frauen in der Prostitution PINK (Kehl, Straßburg) und Amalie (Mannheim), für Betroffene von Menschenhandel FIZ Fraueninformationszentrum (Stuttgart), FreiJa (Freiburg und Kehl) und Mitternachtsmission Heilbronn sowie Migrationsberatungsstellen verteilt in ganz Baden.

Christina Rebmann, Referatsleiterin vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Senioren Baden-Württemberg

Es gab ein buntes Programm. Immer wieder wurde betont, dass die Arbeit der Fachberatungsstellen als Menschenrechtsarbeit gesehen werden kann und dass der Fokus darauf liegt, die Klientinnen dabei zu unterstützen, ihre Rechte umzusetzen. In ihren Grußworten sagte Christina Rebmann, Referatsleiterin vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Senioren Baden-Württemberg die weitere Unterstützung der Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel zu. Brigitte Lösch, Vizepräsidentin des Landtags Baden-Württemberg betonte, Frauenrechte seien Menschenrechte. Sie zeigte auf, dass es vor allem Frauen und Mädchen seien, die immer wieder von Ausbeutung betroffen sind, sei es in der Prostitution oder in anderen Branchen. Als positives Beispiel hob sie sie das neugegründete „Bündnis Faire Arbeitsmigration“ hervor. Elfriede Steffan von der spi Forschung in Berlin versuchte in ihrem Impulsvortrag „Prostitution und Gesellschaft“ aufzuzeigen, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen für die positive Steuerung von Prostitution es bereits gibt, welche davon schon (teilweise oder ganz) umgesetzt sind und welche vernachlässigt wurden. Sie betonte, dass nur durch Gesetze und Rechte Unrecht gestoppt werden könne („Only rights can stop the wrongs“).

Brigitte Lösch, Vizepräsidentin des Landtags Baden-Württemberg

Im zweiten Impulsreferat von Bärbel Heide Uhl, KOK Berlin ging es um Menschenrechtsschutz und Sicherheitspolitik. Sie beschrieb verschiedene bereits bestehende Menschenrechtsinstrumente, die jedoch zum Teil instrumentalisiert werden, um den Fokus auf Betroffene von Menschenhandel als Opfer zu legen und dazu große Datensammlungen anzulegen, statt die weiteren äußeren Rahmenbedingungen wie Wohlstandsgefälle und Notsituationen Betroffener oder Täterprofile zu zu beachten.

Die darauf folgende Wandeldiskussion rückte verschiedene Themen in den Mittelpunkt. Die Beratungsstellen für Prostituierte Pink und Amalie diskutierten darüber, ob Prostitution ein Beruf wie jeder andere sei. Mitternachtsmission Heilbronn und FreiJa Freiburg und Kehl berichteten über den Kooperationsleitfaden für Menschenhandel. Die psychosoziale Prozessbegleiterin Claudia Robbe, vom FIZ in Stuttgart, stellte ihre Tätigkeit vor.

Die psychosoziale Prozessbegleiterin Claudia Robbe vom FIZ in Stuttgart.

Mit schauspielerischem Talent überzeugten Ursula Zetzmann (In Via Bahnhofsmission Karlsruhe) und Doris Köhncke (FairCare, vij Stuttgart), die eine typische Situation der Arbeitsausbeutung nachspielten. Malgorzata Kytzia (Diakonische Werk Heidelberg), Jürgen Blechinger (Referent für Migration im DW Baden) und Annette Stepputat (Bündnis Faire Arbeitsmigration diskutierten über die Begriffe Opfer- und Rechtsberatung und stellten das Bündnis Faire Arbeitsmigration vor. Zum Abschluss fand noch eine rege Podiumsdiskussion statt zum Thema „Menschenrechte sichern! Was muss geschehen?“ mit Angelika Klingel (Vorsitzende des Landesfrauenrates Baden-Württemberg), Jutta Uchmann (Rechtsanwältin Karlsruhe), Elfriede Steffan (spi Forschung, Berlin) und Jürgen Rollin (Vorstand des DW Baden).

Wir danken allen Beteiligten für die informativen Gespräche, den guten Austausch und beim Mitgestalten und Durchführen der Veranstaltung.

Die Fachtagung auf der Website der Diakonie Baden

Das Grusswort von Frau Lösch als PDF-Datei