Stellungnahme zu Prostitution und Menschenhandel

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Stellungnahme der Evangelischen Fachberatungsstellen für Prostituierte und Opfer von Menschenhandel in Baden-Württemberg, den Evangelischen Frauen in Baden und dem Diakonischen Werk Baden zu Prostitution und Menschenhandel

In die Diskussion, wie die Situation von Prostituierten und von Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung verbessert werden kann, möchten wir unsere Erfahrungen aus der täglichen Arbeit einbringen. Wir sprechen uns für eine differenzierte Diskussion und gegen eine Gleichsetzung von Prostitution und Menschenhandel aus.

Wir brauchen tatsächliche Alternativen und mehr Ausstiegs- und Beratungsangebote

Die evangelischen Fachberatungsstellen möchten die Rechte der in der Prostitution Tätigen stärken und ihre Arbeits- und Lebenssituation verbessern. Wir befürchten, dass durch eine Illegalisierung von Prostitution Gewalt und Ausbeutung in diesem Bereich zunehmen. Personen, die in der Prostitution arbeiten, müssen einen verbesserten Zugang zu Hilfs- oder Schutzangeboten erhalten, sich im Sinne des Empowerments weiterhin selbst organisieren können und einen tatsächlichen Zugang zu Kran-ken- und Sozialversicherung erhalten. Von zentraler Bedeutung sind Unterstützungsmöglichkeiten auf der Suche nach einer alternativen Existenzsicherung außerhalb der Prostitution und der Abbau büro-kratischer Schwellen auf diesem Weg. Auch Frauen aus den neuen EU-Ländern, die in der Prostituti-on arbeiten, sollten bei Ausstiegswunsch oder Schwangerschaft Existenzsicherung nach den SGB erhalten. Die Sicherung und der Ausbau von Beratungsangeboten für Menschen in der Prostitution, inklusive Ausstiegsberatung, sind notwendig.

Für eine Verbesserung der Lebenssituation von Prostituierten muss das Prostitutionsgesetz weiterentwickelt werden!

Eine Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten mit klaren Vorgaben und Mindeststandards wird von uns begrüßt. Diese sollte einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Menschen in der Prostitution dienen. So sollten z.B. Sicherheits- und Hygienestandards klar definiert und Schutz vor Mietwucher gewährleistet werden. Prostituierte müssen frei über ihr Angebot an Sexualpraktiken bestimmen kön-nen, dazu gehört auch die Möglichkeit zur Ablehnung von Freiern. Den Zugang zur Krankenversiche-rung gilt es zu vereinfachen. Regelmäßige Angebote für kostenneutrale Gesundheitsuntersuchungen und Beratung außerhalb der Arbeitsstätten sind einzuführen. Benötigt werden gesellschaftliche Stra-tegien gegen die Stigmatisierung von Prostituierten. Auch müssen Freier in ihrer Verantwortung sen-sibilisiert werden.

Menschenhandel ist eine Straftat und verstößt gegen die Menschenrechte!

Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung sind Straftaten. Wir halten eine Verbesserung des Verge-waltigungsparagraphen für sinnvoller, als gesonderte Straftatbestände der Freierstrafbarkeit einzufüh-ren. Frauen müssen vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung besser geschützt und in ihren Rechten gestärkt werden. Zur Strafverfolgung wird die Aussagebereitschaft der Opfer benötigt. Das Bewusstsein eigener Rechte fördert diese. Wir fordern einen unabhängig von der Aussagebereitschaft gesicherten Aufenthaltstitel, rechtlich gesicherte Ansprüche auf Lebensunterhalt und verbesserte Ent-schädigungsmöglichkeiten. Um Betroffene adäquat zu unterstützen, ist ein flächendeckendes Netz von Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel unabdingbar.

Wir als Christinnen wünschen uns eine Gesellschaft, die alle Frauen auf- und annimmt, die Gewalt gegen Frauen aufs Schärfste verurteilt und Bedingungen schafft, in denen Frauen nach ihren Vorstel-lungen und Ressourcen selbstbestimmt leben und arbeiten können.

10. Dezember 2013
Evangelische Fachberatungsstellen für Prostituierte und Opfer von Menschenhandel in Baden-Württemberg, Evangelische Frauen in Baden, Diakonisches Werk Baden

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