Hearing: Arbeitsausbeutung in Europa

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Und wir schließen die Augen? Internationale Tagung vom 7.- 9. Juni 2013 in der Akademie Bad Boll

Auf der internationalen Tagung, die das FIZ als Abschluss eines EU-Projektes durchführte, diskutierten 60 internationale Teilnehmer_innen über die Hintergründe von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung mitten unter uns. Großer Handlungsbedarf für Deutschland.

Die Direktorin von ILO Deutschland, Sabine Baun, benannte, dass in der EU ca. 880.000 Personen von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung betroffen sind, dabei 30% von sexueller Ausbeutung und die Mehrheit von 70% von Arbeitsausbeutung. Dies geschieht in verschiedenen Branchen, z.B. in Gastronomie, Reinigung, Bau, Lebensmittelindustrie, v.a. in Schlachthöfen, und in Privathaushalten in Pflege und Betreuung.

Das Know-How von Experten aus verschiedensten Ländern – Rumänien, Bulgarien, Polen, Ukraine, Belarus, Schweden, Großbritannien u.v.m. – bereicherte den Austausch. Offizielle Vertreter aus Polen und Rumänien führten den Deutschen deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, eine nationale verantwortliche Organisation zu dieser Thematik einzurichten, um Opferschutz und Opferrechte zu garantieren und die Strafverfolgung zu stärken. Auch Mike Quinn, Vertreter der irischen Abteilung gegen Menschenhandel im Justizministerium und Mitarbeiter in der EU-Kommission, betonte, dass der Kampf gegen Ausbeutung nur gelingen kann, wenn bewusst eine Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen gefördert wird. Der Arbeitsauftrag an Deutschland, der sich aus den Ergebnissen der Tagung ergibt, ist klar und eindeutig:

  • Schaffung einer nationalen Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Menschenhandel
  • Einrichtung einer Berichterstatter-Stelle
  • Stärkung des Opferschutzes, u.a. durch gesicherte Finanzierung von Beratungsstellen
  • Betroffenen die Einforderung ihrer Rechte erleichtern
  • Uneingeschränktes Aufenthaltsrecht für Betroffene
  • Bewusstseinsbildung in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik
  • Interdisziplinäre und internationale Vernetzung fördern
  • Netzwerke von Betroffenen stärken